Ad Intra · Celia Coe

Uns selbst mehr zuhören

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Die Skulptur eines Gesichts mit einem Finger auf den Lippen neben einem Bücherstapel.

Manchmal hören wir zu, um zu lernen. Manchmal hören wir nur zu, um zu antworten. Manchmal hören wir nur bruchstückhaft zu, manchmal hören wir bloß, ohne zuzuhören. Wie wäre es, wenn wir mit dem aktiven Zuhören bei uns selbst begännen? Wie wäre es, wenn wir zuhörten, ohne zu urteilen? Wenn wir mit Empathie zuhörten? Wenn wir zuhörten, um uns selbst zu verstehen und dadurch auch den anderen verstehen zu können? Wie wäre es, wenn wir UNS SELBST zuhörten?

Die Übung des Zuhörens beginnt bei uns selbst. Jeden Morgen, wenn du aufwachst, wenn du dir das Gesicht wäschst: Was denkst du, wenn du in den Spiegel schaust? Denkst du nichts? Sicherlich schon, aber du hörst dir nicht zu. Was sagst du dir, wenn du unter der Dusche stehst? Hörst du nichts? Doch, du hörst das fallende Wasser oder deine Stimme beim Singen; aber worauf hörst du? Wenn du auf nichts hörst, liegt das vermutlich daran, dass du nur hörst, ohne dir selbst zuzuhören. Wenn du glaubst, die nötige Konzentration, um dir selbst zuzuhören, lasse sich nur im Lotussitz erreichen, dann hörst du dir nicht zu. Und glaubst du, dass wir anderen zuhören können, wenn wir nicht einmal uns selbst zuhören können? Das ist wenig wahrscheinlich.

In der Musik ist der Takt genauso wichtig wie die Noten, doch noch viel wichtiger sind die Pausen. Darauf beruhen die Sinfonie, die Harmonie. In der Stille verdichtet sich die Weisheit des Lebens, denn dort kannst du dir selbst zuhören, dort kannst du dem anderen zuhören, dort kannst du auf dein Herz hören, dort kannst du mit Liebe zuhören.

Viele von uns glauben, dass wir sehr gut darin sind, Ratschläge zu geben, aber nicht darin, sie anzunehmen. Warum? Weil wir uns selbst nicht zuhören. Üben wir aktives Zuhören, üben wir Empathie, üben wir Mitgefühl. Beginnen wir bei uns selbst. Wir können nur das geben, was unser Herz erfüllt. Doch woher wissen wir, womit wir unser Herz füllen? Wir kehren zum Anfang zurück: Lausche der Stille.

Höre auf deine Noten, höre auf deinen Takt, aber vor allem: Lausche deiner Stille.

“Die Stille ist das Element, in dem alle großen Dinge Gestalt annehmen.”

Thomas Carlyle