
Bei einem Gespräch mit zwei Freunden mitten im Straßenverkehr kamen wir auf das Thema Führung. Die Meinungen gingen auseinander: Lernt man zu führen, oder wird man mit der Fähigkeit dazu geboren? Obwohl ich beiden Freunden teilweise zustimmte, neigte ich eher zu der Ansicht, dass diese Fähigkeit angeboren ist. Als die Diskussion ihren Höhepunkt erreichte, wurde der Verkehr langsamer, und Familie Ente erschien. Direkt vor uns trat eine erwachsene Ente auf die Straße und blieb in herausfordernder Haltung stehen. Im Auto wurde es still. Ein paar Sekunden später begann hinter ihr eine Gruppe von etwas mehr als zehn Entenküken, eilig die Straße zu überqueren. Aber wer bildete den Schluss der Reihe? Eine weitere erwachsene Ente, etwas kleiner als diejenige, die den Verkehr anhielt. Sie passte auf, dass alle Küken ohne Zwischenfall hinüberkamen.
Wir drei waren verblüfft über das Schauspiel vor unseren Augen, und den Fahrern der anderen Autos ging es sicher ebenso. Die größere Ente, die wir Papa Ente nennen wollen, stellte sich auf die Straße, vergewisserte sich, dass keine Gefahr bestand, und gab der zweiten erwachsenen Ente das Signal, dass sie alle Küken hinüberlassen konnte. Sobald alle gut auf dem Weg waren, bildete die zweite erwachsene Ente den Abschluss der Gruppe. Ein paar Sekunden, nachdem auch sie die Straße überquert hatte, schaute Papa Ente nach beiden Seiten, um sicherzugehen, dass alle drüben waren. Dann schloss er sich der Gruppe wieder an, und alle setzten ihren Weg fort.
Die Lektion, die uns die Natur gerade erteilt hatte, beeindruckte uns. Zwischen Staunen und Lachen über Papa Ente, der den Autos die Stirn bot, erkannten wir: Ja, Führungsqualitäten lassen sich durch harte Arbeit stärken, aber es gibt Menschen – in diesem Fall Papa Ente –, die mit den Eigenschaften zum Führen geboren werden, so wie wir es gerade in der Natur gesehen hatten. Was machte Papa Ente zu einer Führungspersönlichkeit par excellence? Er kümmerte sich um sein Team, leitete es, kommunizierte wirkungsvoll mit ihm, kannte seine Stärken und nutzte sie bestmöglich. Er handelt verantwortungsvoll, setzt Ziele und sorgt dafür, dass alle sie erreichen, stützt sich auf sein Team und strahlt Sicherheit und Vertrauen aus. Er ist schlicht ein Vorbild.
Papa Ente ist auch für uns ein Vorbild, obwohl wir nicht zu seiner Gruppe gehören. Er geht nicht durchs Leben, um zu beweisen, dass er ein Anführer ist, die absolute Wahrheit kennt und alle so sein müssen wie er. Papa Ente ist einfach, wer er ist. Er kümmert sich um die Seinen und trifft die richtigen Entscheidungen, damit alle ihre Ziele erreichen – in diesem Fall, mitten im Verkehr die Straße zu überqueren. Papa Ente weiß nichts von der Lektion fürs Leben, die wir ihm gerade verdanken.
Seien wir ein bisschen wie Papa Ente. Wir brauchen keine großen Taten, um die Welt zu verändern. Kleine Taten verändern unsere Welt, und durch unser Vorbild verändern wir die Welt der anderen.
„Wildenten folgen dem Anführer ihres Schwarms wegen der Art seines Fluges und nicht wegen der Kraft seines Schnatterns.“
Chinesisches Sprichwort